Anlässlich der Befreiung des KZ Buchenwald vor 80 Jahren – Ausstellung und Gespräche
Christian Rothe | Buchenwald — Im Dickicht vom Ettersberg | Bruno Apitz – Das letzte Gesicht
Vernissage
Donnerstag, 30. Oktober 2025, 18.00 – 20.00 Uhr
Musik — Anna Turtenwald (Violine)
Einführung durch Prof. Dr. Wolfgang Benz, Günter Jeschonnek, Dr. Elke-Vera Kotowski, Frieda Vogel
Mittwoch, 05. November 2025, 19.00 Uhr
Erinnerungsräume — deportierten jüdischen Bewohnern der Bleibtreustraße 17 ein Gesicht geben
Günter Jeschonnek erinnert im Gespräch mit Dr. Kirstin Buchinger und Dr. Benjamin Kuntz an die beiden jüdischen Bewohnerinnen der Bleibtreustraße 17, die Ärztin Lucie Adelsberger und die Fotografin Yva (Else Neuländer-Simon)
Sonntag, 09. November 2025, 12:00 — 16:30 Uhr
Sonderöffnung der Galerie in Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 in Deutschland
Lesung und Gespräch mit Hanna Schygulla und Günter Jeschonnek (15:00 – 16:30 Uhr)
Mittwoch, 12. November 2025, 19.00 Uhr
Religiöses jüdisches Leben in Berlin-Charlottenburg — die Synagoge und die Mikwe
Günter Jeschonnek erinnert im Gespräch mit Dr. Enrico Brissa und Rabbiner Jonah Sievers an jüdisches Leben mit der ehemaligen Mikwe in der Bleibtreustraße 2 und der Synagoge in der angrenzenden Pestalozzistraße während des Nazi-Terrors
Finissage
Freitag, 28. November 2025, 18.00 Uhr
Musik — Akiyo Fujiwara (Violine) und Spurensuche im Dickicht vom Ettersberg
Ein Gespräch mit Christian Rothe und Günter Jeschonnek
Buchenwald — Im Dickicht vom Ettersberg
Zwischen 2017 und 2024 hat der in Leipzig lebende Fotograf Christian Rothe auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald fotografiert. Sein umfangreicher Fotografie-Zyklus, aus dem nur ein Teil in der »Galerie Mond« gezeigt werden kann, spürt auf, wo sich Natur nach 80 Jahren ihren Lebensraum zurückgeholt und die Relikte der Nazivergangenheit scheinbar ins gedankliche und visuelle Jenseits gedrängt hat. Ruinen, kaum noch erkennbare Fundamente, Treppen, Zäune und Wege bilden sich wie Kainsmale, topografische
Narben und Zeichen im undurchdringlichen Dickicht innerhalb und außerhalb der heutigen Gedenkstätte Buchenwald ab. Diese fotografische Spurensuche gleicht einem Dialog mit der geschundenen, sowohl unheimlichen als auch romantisch anmutenden Landschaft. Welche
Assoziationen lösen beim Betrachten der Fotografien die geisterhaften Ausformungen des Dickichts oder die Baumstämme mit ihren gesichtsähnlichen Vernarbungen aus? Können diese Areale mit den zum Teil über hundertjährigen Bäumen etwas vom alltäglichen Terror,
der unendlichen Einsamkeit, aber auch der Sehnsucht nach dem Überleben ohne entsprechende Kontextualisierungen erzählen?
Beim Betrachten von Christian Rothes Fotografien drängt sich immer wieder auf, nach den Menschen und ihren Schicksalen zu fragen, die hier einst systematisch verachtet, gequält, ermordet und schließlich verbrannt wurden. Wie funktionierte dieses menschenverachtende
Lagersystem der SS? Wer war dazu bereit, die Häftlinge grausam zu erniedrigen und dabei keinerlei Schuld zu empfinden?
Die Schwarz-Weiß-Fotografien treten in einen Dialog mit der Skulptur »Das letzte Gesicht« von Bruno Apitz, der von 1937 bis zur Befreiung am 11. April 1945 Häftling im KZ Buchenwald war. Die beindruckende Skulptur entstand im Herbst 1944 aus dem verbrannten Holz der Goethe-
Eiche. Bruno Apitz schrieb den weltberühmten Roman »Nackt unter Wölfen«, der in 30 Sprachen übersetzt, über zwei Millionen Mal verkauft und dreimal verfilmt wurde.
Die Ausstellung in der »Galerie Mond« ist eng mit der jüdischen Geschichte des Hauses und der Bleibtreustraße insgesamt verbunden. 17 Stolpersteine vor dem Haus und insgesamt 52 Stolpersteine in der Bleibtreustraße erinnern an die grausamen Schicksale jüdischer Frauen,
Männer und Kinder, die einst in dieser Charlottenburger Straße lebten oder zwangsinterniert einziehen mussten und von hier aus in die Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. In diesem Kontext stehen weitere Sonder-Veranstaltungen im Ausstellungs-zeitraum, die an das einstige jüdische Leben in der Bleibtreustraße und religiöse Stätten wie die Mikwe oder Synagoge in der Pestalozzistraße erinnern. Das gleichnamige und zweisprachige Foto-Text-Buch, das bei Hartmann Books erschien (Herausgeber Günter Jeschonnek) und im September 2025 von der Stiftung Buchkunst als das »Schönste Deutsche Buch 2025« ausgezeichnet wurde, begleitet die Ausstellung wie auch
eine gesondert erstellte Broschüre. In ihr werden die Fotografien von Christian Rothe mit historischen Aufnahmen aus dem Konzentrations-lager verglichen sowie die Entstehungsgeschichte der Skulptur von Bruno Apitz und die jüdische Geschichte der Bleibtreustraße mit
ihren Schicksalen deportierter Jüdinnen und Juden dargestellt.
Die Ausstellung wurde von der LOTTO STIFTUNG BERLIN und der Friede Springer Stiftung gefördert — in Kooperation mit der Moses Mendelssohn Stiftung.
Die Broschüre entstand in Kooperation mit der Moses Mendelssohn Stiftung; gefördert vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin und ermöglicht durch eine Spende von Mathias Döpfner.



